Feuerökologie
1. Einleitung
2. Feuer: Grundstein der Zivilisation
3. Feuerlandschaften der Erde
Tropische und subtropische Savannen
Tropische Regenwälder
Saisonale Wälder der Tropen
und Subtropen
Mediterrane Feuerlandschaften
Wälder
und Kulturlandschaften in den Industrieländern der gemäßigten Zone
Boreale Nadelwälder (Taiga)
Verbrennung
pflanzlicher Biomasse in Landwirtschaft und Haushalt
4. Verbrennung pflanzlicher Biomasse in Landwirtschaft und Haushalt
5. Klimawirksame Emissionen aus Vegetationsbränden
| 1. Einleitung
Verbrennung des Regenwaldes in den Tropen, Brandstiftung in den Mittelmeerländern, unkontrollierbare Feuerstürme in den Wäldern Nordamerikas - in der Öffentlichkeit waren dies für lange Zeit vorherrschende Bilder von Waldbränden. Sie standen stellvertretend für die Vernichtung von Natur, für Landspekulation und für die Ohnmacht des Menschen und seinen unzulänglichen Technologien, die Naturgewalt Feuer zu beherrschen. Eine differenzierte Betrachtung des Feuers
entwickelte sich seit den 70er Jahren als ein neuer Wissenschaftszweig in der Ökologie:
Die Feuerökologie erforschte die naturgemäße Rolle von Feuer in Wäldern, Buschländern
und Savannen der Erde, sie durchleuchtete Kulturgeschichte und Bedeutung der
traditionellen Anwendung von Feuer in der Landnutzung. Damit entstand ein neues Bild vom
Feuer des Lebens. Mit zunehmender Sorge um die Veränderung
der globalen Atmosphäre und des Klimas durch Verbrennung fossiler Energieträger rückten
in den 90er Jahren die Emissionen aus Vegetationsbränden in das Interesse der
Wissenschaft. Die Anwendung von Feuer bei der Rodung des Tropenwaldes und der zunehmenden
Ausweitung intensiver Landnutzung hat eine Größenordnung, die signifikanten Einfluss auf
die Zusammensetzung und Funktion der Atmosphäre hat. Die über Monate anhaltende
Rauchbelastung von Teilen Südostasiens, Süd- und Mittelamerikas in den Jahren 1997 und
1998 haben darüber hinaus gezeigt, dass Emissionen aus Feuer die Gesundheit von Menschen
erheblich beeinträchtigen können. Ein weiteres Schwerpunkt der Forschung befasst sich
darüber hinaus mit der Frage, ob eine Veränderung des globalen Klimas in Zukunft auch
Ursache für die Veränderung des Häufigkeit und der Auswirkungen von Feuer sein kann. Die Wissenschaft hat in den vergangenen Jahren viele Antworten auf die Fragen der Natur und der Geschichte des Feuers, die Kontrolle des Feuers durch den Menschen und die übergreifenden Auswirkungen von Feuer auf biogeochemische Kreisläufe gefunden. Mittlerweile zeigt sich, dass die demographischen und sozio-ökonomischen Entwicklungen in vielen Regionen der Erde neue und veränderte Umweltbedingungen geschaffen haben. Etablierte Beziehungen zwischen Natur, Mensch und Feuer geraten in Ungleichgewicht: Unbeeinflusste Naturräume schrumpfen, die Weltbevölkerung steigt exponentiell an - und damit der Verbrauch natürlicher und bewirtschafteter Vegetations-Ressourcen. Mit zunehmender Landnutzung und Besiedelung von Naturräumen steigt die Verwundbarkeit der Weltbevölkerung gegenüber extremen Naturereignissen - gegenüber Feuer in gleichem Maße, wie gegenüber Erdbeben, Fluten und extremen Windereignissen. Die Politik ist angesichts der sich verschärfenden weltweiten Probleme durch Naturkatastrophen vor große Herausforderungen gestellt: Sie muss durch geeignete Maßnahmen sicherstellen, dass einerseits Natur- und Produktionsräume nachhaltig gesichert werden und der Schutz der Bevölkerung vor katastrophalen Auswirkungen von Feuer und Rauch gewährleistet wird. Andererseits muss die natürliche Ökosystem-Funktion von Feuer genauso berücksichtigt werden, wie die weiterhin notwendige Anwendung von Feuer in Land- und Waldbewirtschaftung. Die zu erwartenden Veränderungen von regionalem und globalem Klima erfordern darüber hinaus die Entwicklung strategischer Maßnahmen. Diese müssen verhindern, dass veränderte Umweltbedingungen zur Zerstörung von Naturräumen und zu einer weiteren Verlagerung von Kohlenstoff aus Ökosystemen in die globale Atmosphäre führen. |
| 2. Feuer: Grundstein der Zivilisation
Die ältesten Waldbrände der Erde sind in Steinkohleflözen an verschiedenen Stellen der Erde nachgewiesen, in denen eingeschlossene Holzkohle Zeugnis von großen Bränden in Wäldern geben, die über Jahrmillionen in Sümpfen versanken und später dort die Kohlelagerstätten bildeten. Diese bis vor über 300 Millionen Jahren nachgewiesenen Waldbrände entstanden durch Blitzschlag und Vulkanismus. Brände in Steinkohleflözen und deren Auswirkungen auf die sie umgebende Waldlandschaft sind ebenfalls für prähistorische Zeiträume nachweisbar. Datierungen der ältesten prähistorischen Feuerstellen in Höhlen des südlichen Afrika weisen darauf hin, dass Hominide seit etwa 1,5 Millionen Jahren in der Lage sind Feuer zu nutzen. In den frühesten Kulturstufen der Menschheit wurde Feuer zu den verschiedensten Zwecken angewendet, neben dem eigentlichen Gebrauch im "Haushalt" (Kochen, Wärmen) beispielsweise zur Jagd (Treiben von Wildtieren, Anlocken von Wild auf frischbegrünte Brandflächen), Offenhaltung der Wald- und Buschlandschaft aus Gründen der Sicherheit (vor Wildtieren; in der Kriegführung), später als einzig wirksames Werkzeug der Brandrodung und der Offenhaltung der Landschaft zur Weidewirtschaft. In vielen Kulturkreisen haben sich tradierte Brenntechniken bis heute erhalten, beispielsweise das Überbrennen der tropischen Grassavannen für die Wild- und Haustierbewirtschaftung oder im Wanderfeldbau (Brandrodung). In Nordeuropa zwischen Skandinavien und dem Ural waren die Brandwirtschaft noch weit bis in dieses Jahrhundert verbreitet. Orts- und Flurnamen im Schwarzwald, wie beispielsweise Menzenschwand, Kollmarsreute, Brandenberg, Flammenberg, usw., geben Hinweise auf die ehemals weite Verbreitung der Brandwirtschaft in Südwestdeutschland. |
| 3. Feuerlandschaften der Erde Tropische und subtropische Savannen
Die größten, regelmäßig gebrannten
Vegetationsflächen sind die Savannen. Ihr Flächenumfang zwischen den Wendekreisen und in
den sich direkt anschließenden Subtropen beträgt weltweit insgesamt ca. 2,6 Milliarden
ha. Sie werden in einem Intervall von ein bis drei Jahren überbrannt, und zwar aus den
oben genannten Gründen der Wild- und Haustierbewirtschaftung. Blitzschlagfeuer spielen
unverändert eine Rolle; ihre relative Bedeutung ist aber vergleichsweise zu den
anthropogenen Feuern stark zurückgegangen. Die Feuerintervalle richtet sich dabei vor
allem nach der Produktivität der Savannen. So brennen die westafrikanischen
Feuchtsavannen zum größten Teil deswegen alle 1-2 Jahre, weil die Grasschicht
regelmäßig ein Auflagegewicht von 5-10 t pro Hektar (ha) bildet und in der regenfreien
Zeit abgestorben und ausgetrocknet ist. Die leicht entzündliche Insgesamt ist davon auszugehen, dass jährlich bis zu einer Milliarde Hektar an tropischen und subtropischen Savannen "brennbereit" sind. Der genaue Umfang der jährlich gebrannten Savannenflächen ist nicht bekannt, da eine systematische boden- oder satellitengestützte Überwachung derzeit noch nicht durchgeführt wird. Die tatsächlichen jährlichen Brandflächen werden auf ca. 0,5 Milliarde ha eingeschätzt. |
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Die Umwandlung tropischer immergrüner
Regenwälder in andere Formen der Landnutzung ist untrennbar mit dem Einsatz von Feuer
verbunden. Primär- und Sekundärwälder werden nach der Exploitation vermarktungsfähiger
Hölzer, die den geringsten Teil der oberirdischen pflanzlichen Biomasse ausmachen,
kahlgeschlagen. |
| Saisonale Wälder der Tropen und Subtropen
Die Trocken- und Halbtrockenwälder der wechselfeuchten Tropen und Subtropen, die eine Übergangsform zu den Baumsavannen darstellen und gelegentlich auch bereits als solche bezeichnet werden, kommen auf etwa 700-800 mio ha vor. Das während der Trockenzeit abgeworfene Laub bildet unter den entlaubten Baumkronen eine leicht brennbare Streu. Die Zusammensetzung der Baumarten wird in diesen Wäldern durch ihre Eigenschaft der Resistenz gegenüber den Bodenfeuern bestimmt, die zum großen Teil jährlich durch diese Bestände laufen. |
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Im mediterranen Klima des Mittelmeerraumes,
an der nordamerikanischen Westküste (Kalifornien), des südlichen Afrika und Australiens
haben sich Vegetationsformen mit |
Wälder und Kulturlandschaften in den Industrieländern der gemäßigten Zone In den dicht besiedelten Kulturlandschaften der Industrieländer der gemäßigten Zone Mitteleuropas spielen unkontrollierte Wald- und andere Vegetationsbrände im Vergleich zu den äquatornahen und den borealen Regionen heute eine weniger bedeutungsvolle Rolle. In Nordamerika bemüht man sich, die durch natürliche Feuer bzw. durch die Brennpraktiken der indianischen Ureinwohner geformte Wald- und Graslandvegetation dadurch zu erhalten, indem dort Feuer kontrolliert gelegt oder auch zufällig entstandene Brände toleriert werden. Die Voraussetzung hierzu ist, dass Ziele des Ressourcenschutzes, d.h. der Zusammensetzung und der Produktivität der Vegetation, nicht gefährdet sind. In den intensiv bewirtschafteten Wäldern Nordamerikas werden jährlich ca. 2 mio ha kontrollierte Brände gelegt. In den naturnah bewirtschafteten Nationalparks und "Wilderness Areas" kommen weitere Hunderttausende von Hektaren naturnaher Feuer hinzu.
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In Sibirien stellen sich Waldbrände vorwiegend als Bodenfeuer dar (Abb. links), bei denen die Streuschicht, unterständige Vegetation und nur ein Teil der Bäume verbrennen. In Nordamerika brennen die Kiefern- und Fichtenwälder vorwiegend als Vollfeuer (Boden- und Kronenfeuer - Abb.rechts). |
| 4. Verbrennung pflanzlicher Biomasse in Landwirtschaft und Haushalt
Neben dem oben erläuterten Feuergeschehen in den wichtigsten Vegetationstypen der Erde kommt in den bereits gerodeten Kulturlandschaften zusätzlich zur Feueranwendung in der Weidewirtschaft auch die Nutzung des Feuers in der übrigen Landwirtschaft hinzu. Hierbei dreht es sich beispielsweise um die Verbrennung von nicht verwertbaren Ernteresten, etwa Getreidestroh oder Reisstroh. Letzteres findet vor allem im asiatischen Raum statt. In den ländlichen Haushalten der Entwicklungsländer überwiegt noch heute die Nutzung von Bioenergie (Brennholz, Holzkohle, Dung), so dass auch hier nicht unerhebliche Mengen pflanzlicher Biomasse verbrannt werden. Die Erforschung der Emissionen aus Brennholznutzung erfolgt am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. |
| 5. Klimawirksame Emissionen aus Vegetationsbränden Mangels systematischer Überwachung der beschriebenen Vegetationsbrände in einem regionalen oder weltweiten Maßstab, beispielsweise über satellitengestützte Sensoren, können diese derzeit weder in ihrer Flächenausdehnung, noch hinsichtlich der dabei verbrannten pflanzlichen Biomasse genau bzw. über einen längeren Zeitraum hinweg erfaßt werden. Der bei der Verbrennung freigesetzte
Kohlenstoff (Kohlenstoff hat einen Anteil von durchschnittlich 45% des Trockengewichts von
pflanzlicher Biomasse) wird zum größten Teil in Form von Kohlendioxid (CO2),
gefolgt von Kohlenmonoxid (CO) freigesetzt. Das Verhältnis von CO2:CO hängt
von der Vollständigkeit der Verbrennung ab. Bei gut sauerstoffversorgten
"heißen" Feuern wird wenig CO emittiert. Bei vorherrschenden Schwelbränden
(Pyrolyse und nicht vollständige Oxidierung des Brennmaterials) werden zunehmend Methan
und andere Kohlenwasserstoffe freigesetzt, dazu Wasserstoff (H2) und vor allem
organische Säuren. Durch photochemische Prozesse ("Smog") wird aus CO,
Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden (NOx) u.a. Ozon (O3) gebildet.
Neben den gasförmigen Verbindungen werden zusätzlich Aerosole freigesetzt. In der Schemazeichnung sind die Auswirkungen der verschiedenen Emissionen aus Vegetationsbränden dargestellt, die die klimawirksamen Eigenschaften der Atmosphäre beeinflussen. Aus der Abbildung ist ersichtlich, dass diese Emissionen nicht nur zum "Treibhauseffekt" beitragen oder zu "saurem" Niederschlag führen. Die Freisetzung von Rauchpartikeln führt auch zur Bildung von Wolken-Kondensationskernen und damit zur Rückstrahlung des auf die Erde einfallenden Sonnenlichtes und zu einem Abkühlungseffekt der Erdoberfläche. Eine andere Folge der Emission von Rauchpartikeln ist ein hohes - oder überhöhtes - Angebot von Wolken-Kondensationskernen. Dies hat zur Folge, dass sich bei gleichem Angebot von Wasserdampf mehr Wassertröpfchen in der Atmosphäre bilden können als ohne das Angebot an Rauchpartikeln. Dadurch, daß diese vergleichsweise leichter sind, kommt es nicht zum Abregnen, sondern nur zur Dunstbildung. Daher kann die Folge des Überangebots von Kondensationskernen zur Verringerung von Niederschlägen führen. Feuer und Ozonbildung stehen ebenfalls in sehr unterschiedlichen Beziehungen. Die Bildung von besonders hohen Ozonkonzentrationen aus Feueremissionen erreichen mit Hilfe der Sonneneinstrahlung (photochemische Reaktionen) in der bodennnahen Troposphäre Werte, die mit den sommerlichen Smoglagen der Industrieländer vergleichbar und sowohl für den Menschen als auch für Pflanzen gesundheitsschädlich sind. Die Emission von einigen Spurengasen (z.B. Brom- und Chlorverbindungen) führen hingegen zum O3-Abbau in der Stratosphäre - und damit zur erhöhten UV-B-Einstrahlung, die ebenfalls für das Leben auf der Erde kritisch ist.
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